Das soziale Feld
In einer schulischen Situation handeln Menschen nicht unabhängig voneinander. Wahrnehmungen, Reaktionen, Blicke, Stimmen, Bewegungen und räumliche Beziehungen wirken im gemeinsamen Geschehen zusammen.
Der Begriff des sozialen Feldes richtet die Aufmerksamkeit deshalb nicht nur auf einzelne Personen, sondern auf das, was zwischen ihnen entsteht und sich im Verlauf einer Situation verändert.
In dieser Erkundung wird das soziale Geschehen aus der eigenen Perspektive betrachtet. Daraus entsteht keine vollständige oder objektive Bestandsaufnahme der Situation. Was andere erlebt oder beabsichtigt haben, lässt sich aus eigenen Eindrücken allein nicht erschließen.
Formen des Zuhörens
Otto Scharmer unterscheidet verschiedene Formen des Zuhörens. Sie beschreiben unterschiedliche Weisen, wie Aufmerksamkeit in einer Situation wirksam werden kann.
Beim Downloading bestätigt die Wahrnehmung vor allem bereits vorhandene Erwartungen. Faktisches Zuhören richtet sich stärker auf neue Informationen und das konkret Wahrnehmbare. Empathisches Zuhören öffnet die Aufmerksamkeit für die Perspektive anderer. Generatives Zuhören richtet sich auch auf das, was in einer Situation neu entstehen könnte.
Scharmer verbindet diese Unterscheidung mit einer Vertiefung der Qualität des Zuhörens. In der vorliegenden Erkundung dienen die Begriffe als Perspektiven auf das eigene Zuhören. Sie werden nicht als Stufen verwendet, die durchlaufen oder als persönlicher Lernerfolg nachgewiesen werden müssen.
Wenn Wahrnehmung sich festlegt
Wahrnehmung beginnt selten voraussetzungslos. Erfahrungen, Erwartungen und bereits vorhandene Einschätzungen wirken mit.
Scharmer beschreibt mit Urteil, Zynismus und Angst unterschiedliche Formen innerer Festlegung, die eine Öffnung der Aufmerksamkeit erschweren können.
Dabei geht es nicht darum, solche Reaktionen zu beseitigen oder durch „richtige“ Gedanken zu ersetzen. Bereits ihre Wahrnehmbarkeit kann den Blick auf eine Situation wieder weiter werden lassen.
Leibliche Wahrnehmung
Ein soziales Feld wird nicht nur gedanklich wahrgenommen. Auch Atem, Spannung, Körperhaltung, Stimme oder Bewegung können Teil der Wahrnehmung einer Situation sein.
Solche Wahrnehmungen besitzen jedoch keine eindeutige diagnostische Bedeutung. Sie können einen zusätzlichen Zugang zum Geschehen eröffnen, ohne festzulegen, was eine Situation bedeutet.
Literatur
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Scharmer, C. O. (2020).
Theorie U. Von der Zukunft her führen:
Presencing als soziale Technik
(5., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage). Carl-Auer.
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